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Wird unsere Fähigkeit, mit anderen zu interagieren in erster Linie von Kultur, Erfahrungen und Sozialisierung bestimmt? Oder ist sie in erster Linie Ausdruck grundlegender neurobiologischer Prozesse?

Der Begriff Neurozeption beschreibt, wie neuronale Schaltkreise im Nervensystem unterscheiden, ob Situationen oder Personen sicher und vertrauenswürdig oder gefährlich und lebensbedrohlich sind. Neurozeption ist die neurologische Basis für unsere Wahrnehmung, die primitive Bereiche unseres Hirns einbezieht und hauptsächlich unbewusst abläuft.

Eine Neurozeption von psychologischer Sicherheit und Vertrauen, also eine unbewusste Wahrnehmung positiver Erwartungen von uns selbst, von der Umbegung oder von anderen Personen, vermindert Stress- reaktionen und fördert unsere Sozialkompetenz durch die Aktivierung des Sozialen Engagement-Systems, eine funktionelle neurologische Struktur, die positive Sozialkontakte und Interaktion unterstützt.

Im Gegensatz dazu zwingt fehlende Sicherheit und Vertrauen unsere sozialen Fähigkeiten zum Rückzug, da die Aktivität des Sympathischen Nervensystems überwiegt, welches unsere typischen Anzeichen von Stress wie „Kampf- und Fluchtverhalten“, Agressivität und Stoffwechselaktivität ankurbelt.

  Eine regelmäßig unangemessene Neurozeption kann zu einer konstanten Aktivierung des Sympathischen Nervensystems und damit zu den wohlbekannten Schädigungen durch Lanzeitstress führen.

Unglücklicherweise ist eine ungünstige Neurozeption bei Menschen recht häufig, da unsere Fähigkeiten, die Umwelt und andere wahrzunehmen, aus evolutionärer Sicht dafür entworfen wurden, mit den physischen Bedrohungen der Frühzeit umzugehen, anstatt mit den sozialen Herausforderungen, die die moderne Welt kennzeichnen.

Eine unpräzise Neurozeption lässt uns auch solche Herausforderungen als Bedrohung ansehen, denen man normalerweise ganz einfach mit gegebenen sozialen Fähigkeiten begegnen könnte. Hat die Neurozeption erstmal eine neurophysiologische Reaktion eingeleitet, die auf „Überleben“ abzielt, kann agressives Verhalten, Angst und konstante Stoffwechselaktivierung kaum vermieden werden und leicht zu einem Burn-out führen. Aus diesem Grund ist es so wichtig schon auf der neurophysiologischen Ebene anzusetzen, um Verhaltensveränderungen positiv zu beeinflussen.